Samstag, 16. April 2011 – Anreise
Nach einem letzten Treffen am vorangegangenen Dienstagabend, bei dem die noch offenen Fragen geklärt und die Flug-, bzw. die anschließenden Fahrgemeinschaften von den Flughäfen in die New Yorker Innenstadt gebildet wurden, kommen alle – man mag es kaum glauben – mehr oder weniger pünktlich und lebendig, aber munter im Verlauf des Samstages am stürmischen Zielort an. Die Ersten lernen die amerikanische Metropole bereits zur Mittagszeit kennen; Andere bei strömendem Regen erst weit nach Mitternacht und in tiefer Dunkelheit, aber keineswegs schlafend.
Sonntag, 17. April 2011 – Konferenzauftakt
Soweit es die Aufregung zulässt, können wir ein bisschen ausschlafen und den Jetlag von -6 Stunden ausgleichen, bevor es zu einer Frühstücks- und ersten Entdeckungsrunde raus in die Straßen der Stadt geht. Gestärkt, aber auch zuversichtlich nehmen wir um 13 Uhr am letzten Vorbereitungsworkshop teil, der noch einmal kurz vor Beginn der Konferenz die Rules of Procedure thematisiert. Nach der Mittagspause beschleicht uns die Befürchtung, die Eröffnungsfeier vor der Türe miterleben zu müssen, falls wir uns nicht rechtzeitig anstellen, um in den großen Ballroom zu gelangen. Für diese „höchste“ Stufe der Model National United Nations-Konferenz wurde zur Eröffnungsfeier der norwegische Vertreter des UN-Generalsekretariats eingeladen und versetzt uns in die Stimmung der Vereinten Nationen: Für die Sache kämpfen, mit der Hoffnung des Idealisten, der nie aufgibt!
Schließlich, gegen kurz vor 19 Uhr erklärt Ronny Heintze, der NMUN Generalsekretär die National Model United Nation Conference New York 2011 für eröffnet – das Spiel kann beginnen!
Der Abend endet mit einer ersten Session in jedem Komitee, in der es hauptsächlich um das so genannte agenda-setting geht, also die Reihenfolge, in der die Themen behandelt werden. Bereits hier zeigt sich: die Sitzungen werden sich abwechslungsreich gestalten, da informelle Diskussionsphasen immer wieder die formale Debatte unterbrechen. Müde und mit den ersten gewonnenen Eindrücken sinken wir kurz nach Mitternacht in unsere schmalen Betten.
Montag, 18. April 2011 – Durchstarten!
Als erstes steht heute unser Besuch in der Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen an. Zu Fuß geht es in Richtung East River und United Nations Headquarters, wo wir in der 22. Etage des Deutschen Hauses, mit Blick auf die libysche Vertretung, auf der dieser Tage die Fahne der Revolution weht, den Ausführungen des deutschen Pressesprechers folgen, der uns das diplomatische Vorgehen in Zeiten der Umwälzungen und des deutschen Sitzes im Weltsicherheitsrat erläutert. Der obligatorische Fototermin im Anschluss vor dem Gebäude der Vereinten Nationen darf selbstverständlich nicht fehlen. Die Sonne scheint und wir sind bester Laune!
Mit diesen Erlebnissen geht es am Nachmittag in die ersten inhaltlichen Verhandlungen der Komitees. Die Themen stehen fest, wobei in den großen Ausschüssen der Generalversammlung – GA 1, GA 2, und GA 3 – somit vermutlich auch das einzige Thema definiert ist. Langsam bilden sich Meinungen heraus, Gruppen und Blöcke formieren sich, das erste Abtasten und die Positionsfindung beginnen. Am Ende von 6 Stunden Sitzungszeit sind grobe Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit abgesteckt und die kommenden Tage werden zeigen, welchen Erfolg diese bringen werden.

Dienstag, 19. April 2011 – Motiviert bleiben!
Die zweite Hälfte der Konferenz steht nun ganz im Zeichen der Kernerarbeit: Working Paper müssen gesponsored, also aktiv mitgeschrieben werden; bei anderen Entwürfen stellt sich die Frage der Unterzeichnung ja oder nein; mit wem kann Serbien gut zusammenarbeiten und bei welchen potentiellen Partners sollte man vorsichtiger agieren. Wir lernen sie Wege der Diplomatie kennen – und ebenso die Kunst, sie für sich zu nutzen. Die beiden Komiteepartnerinnen der Review-Conference des Nuclear Non-Proliferation Treaty müssen sich, nach anfänglich vielversprechenden Kontakten zu den ständigen Sicherheitsratsmitgliedern USA, Frankreich, Russland, China und Großbritannien, mit einem leichten Dämpfer auseinandersetzen – Serbien spielt eben keine so wichtige Rolle in der weltweiten Diskussion, um als Partner eingebunden zu werden. Die Komiteemitglieder der Generalversammlung schlagen sich wacker und versuchen am Ball zu bleiben. Die World Intellectual Property Organisation beißt sich an den Patenten für HIV/AIDS-Medikamenten fest, und im UN Environmental Program und der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung ist die Debatte bereits beim zweiten Thema angelangt.
Ein langer Tag endet mit einer weiteren Runde des Austausches am späten Abend im Zimmer der Head Delegates.
Mittwoch, 20. April 2011 – Auf zum Endspurt!
Da die Nächte immer kürzer werden, und die Sessions tatsächlich auch immer früher beginnen, gilt es ein kleines Motivationstief zu überwinden und noch einmal die Zähne zusammen zu beißen. Die Hektik nimmt merklich zu – die letzten Verbesserungen der Working Paper müssen vorgenommen werden, damit bis zur Mittagspause die Draft Resolutionen (Entwürfe) vorliegen. Ist dieser Schritt getan, geht es noch um die letzten Änderungen, so genannte Amendments, bei denen einzelne Länder spezifische Sätze einer Resolution zwecks Änderung zur Abstimmung stellen. Nach der Mittagspause und einigen weiteren kurzen Unterbrechungen zur informellen Debatte gehen alle Komitees zur Abstimmung über. Zahlreiche Resolutionsentwürfe werden mehrheitlich verabschiedet und sind somit offizielle NMUN 2011 Resolutionen, die der UN-Vollversammlung bei ihrer Tagung im kommenden Herbst vorgelegt werden. Trotz leichten Überziehens kommen aber schließlich alle Komitees nach einer arbeitsreiche Woche zu vorzeigbaren Ergebnissen. Die Anspannung verfliegt, denn nun stellt sich nur noch die Frage des Erfolges unserer Delegation. Ein paar Stunden durchatmen tun ebenso gut, wie die Vorfreude auf den Abschlusstag im Hauptsitz der Vereinten Nationen.
Donnerstag, 21. April 2011 – das Finale!
Der Besuch der General Assembly Plenary erfordert noch ein letztes Mal frühes Aufstehen und Herrichten gemäß dem Dress Code Western Business Style, bevor es mit dem Taxi in Richtung East River geht. Dort erhalten wir – in diesem Fall 6 Delegationsmitglieder, die auf den Plätzen Serbiens sitzen dürfen – Einlass und gelangen, mit einem Zwischenstopp im UN-Shop, in die Main Hall, die Generalversammlung der UN. Dieser geschichtsträchtige Ort, in dem es in der über 60-jährigen Geschichte der Vereinten Nationen so manchen Eklat gab, ruft für einen Moment Gänsehaut auf dem Rücken hervor. Als Höhepunkt nach einigen anstrengenden Tagen hier sitzen zu dürfen, um die wichtigsten Resolutionen zu verabschieden und die Reporte der anderen Komitees zu verfolgen, ist eine große Entschädigung für Schlafmangel und alle Anstrengungen, die augenblicklich vergessen sind. Im Anschluss kommen auch die anderen Delegates und Delegationen in die Halle, so dass die Closing-Ceremony gegen 13 Uhr beginnen kann. Der Schlusspunkt ist erreicht, als die Awards – leider ohne serbische Beteiligung – verteilt sind, und ein letztes Mal die „motion to adjourne the meeting“ gestellt und mit großer Mehrheit angenommen wird. Offiziell geht es nächstes Jahr weiter, aber wir werden vor allem die Vollversammlung im kommenden Herbst verfolgen, auf der die gleichen Themen debattiert werden und die Ergebnisse unserer Arbeit eventuell einfließen werden.

P.S.: An dieser Stelle, da die Konferenz vorbei ist und wir alle wieder gut in Kiel gelandet sind, möchten wir uns bei unseren Unterstützern und Lesern ganz herzlich bedanken! Ohne Sie wäre uns die Teilnahme an der NMUN 2011 in New York nicht möglich gewesen! Wir hoffen, dass Ihnen die Berichterstattung in diesem Blog gefallen hat und freuen uns auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit im kommenden Jahr!!!
Weitere Fotos von der Konferenz werden in den nächsten Tagen veröffentlicht.